Modalverben
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Die drei Modalverben der Möglichkeit: wie du auf Englisch über Unsicheres sprichst – und höflich um Erlaubnis bittest.
Alle drei drücken eine Möglichkeit aus – etwas ist denkbar, aber nicht sicher. „May“ ist zusätzlich das förmliche Verb für Erlaubnis („May I…?“), und „could“ ist die höfliche Form für Bitten („Could you…?“).
Stand: Juli 2026
B1 · Modalverben · 9 Min.
Eine klar aufgebaute Lektion mit zehn Folien für Lernende auf B1-Niveau. Du hörst die drei Modalverben im Zusammenhang, lernst die Unsicherheits-Skala mit einem Tutor kennen und übst Möglichkeit, Erlaubnis und höfliche Bitten in sechs interaktiven Aufgaben, bevor ein Abschlusstest mit fünf Fragen folgt. Der gesamte Lernweg dauert etwa neun Minuten und funktioniert ohne Anmeldung.
Might, could und may sind die englischen Werkzeuge für alles, was zwischen „sicher ja“ und „sicher nein“ liegt. Wenn du sagst „The delivery might be late“, behauptest du nichts über die Zukunft – du markierst eine offene Möglichkeit. Die Lieferung kommt vielleicht pünktlich, vielleicht nicht; du legst dich bewusst nicht fest. Genau diese Nicht-Festlegung ist die Kernaufgabe der drei Verben, und sie erledigen sie in der Gegenwart und in der Zukunft gleichermaßen: „She might be in a meeting“ (jetzt) und „It could rain tomorrow“ (später) folgen demselben Muster. Im Deutschen fließt das alles in „könnte“ oder „vielleicht“ zusammen, und deshalb wirken die drei englischen Verben zunächst wie überflüssige Dubletten. Sie sind es nicht ganz: In der Bedeutung „Möglichkeit“ sind might, could und may weitgehend austauschbar, aber „may“ trägt zusätzlich die Aufgabe der förmlichen Erlaubnis, und „could“ ist zugleich das Standardverb für höfliche Bitten. Wer die drei Aufgaben – spekulieren, erlauben, bitten – auseinanderhält, hat den schwierigsten Teil dieser Lektion bereits verstanden.
Die Mechanik ist erfreulich einfach, wenn du drei Verbote beachtest. Erstens: Nach might, could und may steht immer die Grundform des Verbs – „She might come“, niemals „She might to come“ oder „She might comes“. Zweitens: Die Modalverben selbst verändern sich nie; es gibt kein „mights“, kein „mayed“ und kein „coulding“. Drittens: Fragen und Verneinungen kommen ohne „do“ aus, denn das Modalverb übernimmt selbst die Rolle des Hilfsverbs. Die Verneinungen lauten „might not“ (selten verkürzt zu „mightn't“), „may not“ (ohne übliche Kurzform) und „could not / couldn't“. Vorsicht bei der letzten: „couldn't“ ist in der Bedeutung „Möglichkeit“ nicht einfach das Gegenteil von „could“. „The delivery could be late“ heißt: Verspätung ist möglich. „The delivery couldn't be late“ heißt dagegen: Verspätung ist ausgeschlossen – eine viel stärkere Aussage. Wenn du sagen willst „vielleicht nicht“, brauchst du „might not“ oder „may not“: „The delivery might not arrive today.“ Diese Asymmetrie ist einer der wenigen echten Stolpersteine in der Formenlehre dieser drei Verben, und es lohnt sich, sie einmal bewusst zu üben.
Stell dir eine Skala von null bis hundert Prozent vor. Ganz rechts sitzt „will“: „The delivery will arrive tomorrow“ ist eine feste Vorhersage. Ganz links sitzt „won't“: ausgeschlossen. Might, could und may wohnen gemeinsam in der Mitte – in der Vielleicht-Zone. Viele Lehrwerke versuchen, die drei fein zu staffeln, etwa „may“ als etwas wahrscheinlicher als „might“. Im tatsächlichen Sprachgebrauch sind die Unterschiede in der Bedeutung „Möglichkeit“ jedoch klein und schwanken je nach Person und Kontext; verlässlicher sind die Registerunterschiede: „may“ klingt förmlicher und schriftsprachlicher, „might“ und „could“ sind im Alltag am häufigsten. Wichtiger als die Feinstaffelung ist der Abstand zu den Nachbarn: „probably“ („She'll probably join“) liegt deutlich über der Vielleicht-Zone, „probably not“ deutlich darunter. Wer im Meeting „The client might sign this week“ sagt, verspricht nichts – und genau das ist oft der Zweck. Die Skala funktioniert übrigens auch in Fragen: „Could this affect the budget?“ fragt nach einer Möglichkeit, nicht nach einer Fähigkeit. Nur „may“ ist in Möglichkeits-Fragen unüblich; dort weichen Muttersprachler auf „might“ oder „could“ aus.
Neben der Möglichkeit haben diese Verben eine zweite große Aufgabe: Erlaubnis und Bitten. Hier zählt vor allem das Register, also die Förmlichkeit. Wenn du für dich selbst um Erlaubnis fragst, gilt die Dreier-Staffel: „May I leave early?“ ist förmlich und respektvoll, „Could I leave early?“ höflich und neutral, „Can I leave early?“ informell und unter Kollegen völlig normal. Wenn du dagegen eine andere Person um etwas bittest, führt der Weg über „Could you…?“ oder „Can you…?“: „Could you send the report by five?“ Wichtig: „May you…?“ funktioniert im heutigen Englisch nicht als Bitte – „may“ ist für die eigene Erlaubnis reserviert. Eine Feinheit, die Lernende oft überrascht: „may not“ kann zwei völlig verschiedene Dinge bedeuten. „You may not leave yet“ ist ein förmliches Verbot – die Erlaubnis wird verweigert. „She may not come tonight“ ist dagegen reine Spekulation – vielleicht kommt sie nicht. Der Zusammenhang entscheidet. Im Zweifel bist du mit „Could I…?“ für dich und „Could you…?“ für andere fast immer richtig unterwegs: höflich genug für die Chefin, locker genug für das Team.
Der häufigste Fehler deutschsprachiger Lernender bei diesem Thema hat einen klaren Ursprung: Im Deutschen deckt „kann“ beides ab – Fähigkeit und Möglichkeit. „Es kann sein, dass die Lieferung zu spät kommt“ ist einwandfreies Deutsch, und die wörtliche Übersetzung liegt nahe: „It can be late.“ Genau hier trennt das Englische jedoch scharf. „Can“ beschreibt Fähigkeiten („She can speak French“) und allgemeine, wiederkehrende Möglichkeiten („Winters here can be brutal“ – Winter im Allgemeinen). Für die konkrete, einmalige Möglichkeit – diese eine Lieferung, dieser eine Nachmittag – verlangt das Englische might, could oder may: „The delivery might be late.“ Ein zweiter Ausläufer derselben Falle betrifft die Erlaubnis: Weil das deutsche „kann ich…?“ überall passt, greifen viele Lernende auch in förmlichen Situationen zu „Can I…?“ – grammatisch korrekt, aber im Bewerbungsgespräch oder gegenüber Kunden eine Spur zu lässig. Dort ist „May I…?“ oder „Could I…?“ die bessere Wahl. Die Gegenprobe hilft: Wenn du im Deutschen „vielleicht“ ergänzen könntest, brauchst du im Englischen might, could oder may – nicht can.
Im Geschäftsenglisch sind diese drei Verben weit mehr als Grammatik – sie sind Risikosprache. Ein Status-Update, das nur aus sicheren Aussagen besteht, wirkt entweder naiv oder riskant, denn Projekte sind selten sicher. Profis formulieren deshalb abgestuft: „The delivery might be delayed by a week“, „This could affect the Q3 timeline“, „We may need additional budget for testing“. Diese Technik heißt Hedging: Du benennst ein Risiko, ohne es zur Tatsache zu erklären – und ohne dich auf ein Versprechen festnageln zu lassen. Auch in Verhandlungen ist das Muster allgegenwärtig: „We could offer a discount if you commit to two years“ hält ein Angebot in der Schwebe, das „We will offer…“ bereits verbindlich machen würde. Und in Prognosen signalisiert „Sales may improve in the second half“ eine begründete Erwartung ohne Garantie. Der Unterschied zu „will“ ist dabei keine Stilfrage, sondern trägt echte Verantwortung: Wer „will“ schreibt, verspricht; wer „might“ schreibt, warnt. Für dein nächstes englisches Meeting genügt ein einfacher Vorsatz: Jede Aussage über die Zukunft, bei der du nicht wetten würdest, bekommt ein might, could oder may.
In der Bedeutung „Möglichkeit“ sind sie weitgehend austauschbar: „The delivery might / could / may be late“ bedeutet dreimal dasselbe – möglich, aber nicht sicher. Die echten Unterschiede liegen in den Zusatzaufgaben und im Register: „May“ ist förmlicher und übernimmt zusätzlich die offizielle Erlaubnis („May I…?“), „could“ ist das Standardverb für höfliche Bitten („Could you…?“), und „might“ ist das neutralste reine Möglichkeits-Verb im Alltag.
Weil „can“ im Englischen allgemeine Möglichkeiten und Fähigkeiten beschreibt, nicht die konkrete Möglichkeit bei einer bestimmten Gelegenheit. „Deliveries can be late“ – Lieferungen können generell zu spät kommen – ist korrekt. Aber für diese eine Lieferung morgen brauchst du might, could oder may: „The delivery might be late.“ Die Falle kommt aus dem Deutschen, wo „kann“ beide Aufgaben übernimmt. Faustregel: Passt „vielleicht“ in den deutschen Satz, dann might statt can.
In der Bedeutung „Möglichkeit“ überraschenderweise nein. „The delivery could be late“ heißt: Verspätung ist möglich. „The delivery couldn't be late“ heißt aber nicht „vielleicht nicht“, sondern „Verspätung ist ausgeschlossen“ – eine viel stärkere Aussage. Wenn du „vielleicht nicht“ meinst, brauchst du „might not“ oder „may not“: „The delivery might not arrive today.“ Diese Asymmetrie gilt nur für die Möglichkeits-Bedeutung; bei Fähigkeiten ist „couldn't“ ganz normal das Gegenteil („I couldn't swim as a child“).
Im Großen und Ganzen ja – die Möglichkeits-Bedeutung funktioniert auf beiden Seiten des Atlantiks identisch. Der spürbarste Unterschied liegt bei der Erlaubnis: Im amerikanischen Alltag ist „Can I…?“ auch in eher förmlichen Situationen verbreitet, während britisches Englisch bei Erlaubnisfragen häufiger zu „May I…?“ greift. In beiden Varianten gilt „May I…?“ als die höflichste Form, und Prüfungen im europäischen Raum orientieren sich am britischen Standard. Wenn du für ein Zertifikat lernst, bist du mit der Staffel may > could > can auf der sicheren Seite.
Vorher solltest du *can-cant* (A1) sicher beherrschen – Fähigkeit und informelle Erlaubnis sind die Basis, auf der diese Lektion aufbaut. Die Schwesterlektion *must-have-to-should* (B1) behandelt die andere Hälfte der B1-Modalverben: Pflicht und Rat statt Möglichkeit. Danach ist *modals-deduction-present* (B1) der natürliche nächste Schritt: Dort lernst du, mit must, might und can't logische Schlussfolgerungen zu ziehen („She must be in a meeting“) – dieselben Verben, eine neue Aufgabe.
Historisch war „might“ die Vergangenheitsform von „may“, so wie „could“ die Vergangenheitsform von „can“ war. Im heutigen Englisch hat sich diese Zeitbeziehung weitgehend aufgelöst: „She might come tomorrow“ ist keine Vergangenheit, sondern Gegenwart oder Zukunft. Was von der alten Vergangenheitsform übrig blieb, ist Distanz – und Distanz wirkt im Englischen höflicher und vorsichtiger. Deshalb klingt „Could I ask a question?“ weicher als „Can I ask a question?“. Dasselbe Muster zeigt sich bei „will“ und „would“: Die alte Vergangenheitsform ist zur Höflichkeitsform geworden.
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