Was unterscheidet formelles und informelles Englisch?
Englisch hat kein du und Sie, deshalb steckt das Register in der Grammatik und in der Wortwahl. Vier Stellschrauben entscheiden: Kurzform oder Vollform (I'd / I would), Phrasal Verb oder lateinisches Verb (find out / establish), Befehl oder Weichmacher (Send it today / Could you send it today?) und Ellipse, die Sprache nur lockerer macht (Got a sec? bleibt im Team). Die Situation und die Beziehung bestimmen die Stufe – nicht der Rang.
- Register ist eine Skala – formell, neutral, informell – und keine Wahl zwischen zwei Formen.
- Phrasal Verb für das Team, lateinisches Verb für den Vorstand: look into / investigate, set up / arrange, get back to / respond.
- Ein nackter Imperativ („Send it today“) wirkt in jeder Stufe wie eine Anweisung – Bitten brauchen „could you“ oder einen Weichmacher.
B1 · Business-Grammatik · 10 Min.Formelles und informelles Register – Baustein für Baustein erklärt.
Eine Lektion für Lernende auf B1-Niveau, die im Beruf zwischen Team-Chat, Kundengespräch und Präsentation wechseln. Du hörst dieselbe Bitte zuerst in zwei Registern, lernst die vier Stellschrauben von deinem Tutor, übst sie in fünf interaktiven Aufgaben und prüfst am Ende in einem Quiz mit sechs Fragen, was hängen geblieben ist. Alles läuft direkt im Browser, kostenlos und ohne Anmeldung.
- GER-NiveauB1 · Mittelstufe
- BearbeitungszeitEtwa 10 Minuten
- KompetenzenGrammatik, Sprechen, Schreiben, Business-Englisch
- Bausteine10 Bausteine
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Was Register im Englischen tatsächlich ist
Im Deutschen triffst du eine einzige Entscheidung, bevor du den ersten Satz sagst: du oder Sie. Danach richtet sich fast alles von selbst aus – Anrede, Verbform, Tonfall. Im Englischen fehlt dieser Schalter, und deshalb suchen viele deutschsprachige Lernende vergeblich nach ihm. Sie finden ihn nicht, weil das Englische die Höflichkeit nicht an einer Stelle bündelt, sondern über die ganze Grammatik verteilt. Register ist im Englischen eine Skala mit drei Bereichen: formell, neutral und informell. Wo ein Satz auf dieser Skala liegt, entscheiden vier Stellschrauben, die du alle auf B1-Niveau bedienen kannst: Kurzform oder Vollform, Phrasal Verb oder lateinisches Verb, Befehl oder Weichmacher, vollständiger Satz oder Ellipse. Entscheidend ist dabei, was die Stufe bestimmt. Nicht der Rang deines Gegenübers – deine Chefin im Flurgespräch bekommt lockeres Englisch, ein gleichrangiger Kollege einer fremden Firma im Erstgespräch neutrales bis formelles. Die Stufe folgt der Situation und der Beziehung: Wie gut kennt ihr euch, wie öffentlich ist der Moment, wie groß ist das, worum es geht? Wer das einmal verstanden hat, muss keine Listen mit „formellen Wörtern“ mehr auswendig lernen, sondern liest jede Situation ab und dreht die passenden Schrauben.
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Stellschraube eins und zwei: Kurzformen und Verbwahl
Die erste Stellschraube ist die Kurzform. „I'd“, „can't“, „we've“ und „it's“ sind im gesprochenen Englisch auf jeder Stufe normal – auch in einer Präsentation vor dem Vorstand sagen Muttersprachler meist „we've reduced costs“ statt „we have reduced costs“. Die Vollform ist ein Merkmal formeller Schriftstücke: Bericht, Vertrag, offizielle Mitteilung. Beim Sprechen brauchst du sie fast nie – wer jede Kurzform vermeidet, klingt schnell, als würde er vorlesen; zur bewussten Betonung ist die Vollform jedoch nützlich. Die zweite Stellschraube ist die Verbwahl, und sie ist die stärkste von allen. Für viele Handlungen hält das Englische zwei Verben bereit: ein kurzes Phrasal Verb und ein längeres Verb lateinischer oder französischer Herkunft. Find out und establish, set up und arrange, look into und investigate, get back to und respond, deal with und address – jedes Paar bedeutet dasselbe, aber das Phrasal Verb gehört ins Gespräch, das lateinische Verb in den Bericht. Zwei Warnungen dazu. Neutrales Business-Englisch nutzt Phrasal Verbs ganz selbstverständlich: „I'll set up a call“ ist im Kundengespräch völlig professionell. Und ein Chat voller lateinischer Verben wirkt nicht kompetent, sondern seltsam – ein „We will investigate“ zwischen zwei Emojis mischt zwei Register in einer Zeile. Wähle das Verb nach der Situation, nicht nach seiner Länge.
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Stellschraube drei: Direktheit und Weichmacher
Die dritte Stellschraube regelt, wie direkt du eine Bitte aussprichst. Ganz unten steht der nackte Imperativ: „Send it today.“ Im Englischen ist das keine Bitte, sondern eine Anweisung – und zwar auf jeder Stufe der Skala. Er passt zu Notfällen, zu Sicherheitshinweisen und zu Bedienungsanleitungen, nicht zu Menschen, mit denen du zusammenarbeitest. Eine Stufe höher steht die Frage mit Modalverb: „Could you send it today?“ Das ist die neutrale Bitte, die in Kundengesprächen, Meetings und den meisten Mails den Großteil der Arbeit erledigt. Ganz oben steht der ausgebaute Weichmacher: „I would be grateful if you could send it by the end of the day.“ Er gehört in formelle Schreiben und in Situationen, in denen dein Gegenüber leicht Nein sagen könnte. Zur selben Stellschraube gehört das unpersönliche Passiv. Ein formeller Bericht schreibt „The figures were sent late“ statt „Tom sent the figures late“: Das Problem wird benannt, ohne dass jemand mit dem Finger auf eine Person zeigt. Im Team-Chat wäre dasselbe Passiv seltsam ausweichend. Wichtig ist das Maß: ein Weichmacher pro Bitte. „Could you possibly perhaps maybe…“ klingt nicht höflicher, sondern unsicher. Eine klare Bitte auf der richtigen Stufe ist im Englischen die höflichste Form von allen.
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Stellschraube vier: Ellipse und Füllwörter
Die vierte Stellschraube ist die einzige, die nur in eine Richtung funktioniert: Sie macht Sprache lockerer, nie formeller. Ellipse heißt, dass du Wörter weglässt, die der Zusammenhang ohnehin liefert. „Got a sec?“ statt „Have you got a second?“, „Sounds good“ statt „That sounds good“, „No worries“ als komplette Antwort. Dazu kommen die kleinen Füllwörter und Reaktionen, die ein Gespräch unter Vertrauten am Laufen halten: „Sure“, „Cool“, „Fair enough“, „Will do“. All das ist typisch für das gesprochene informelle Register und den Team-Chat, der im Grunde geschriebenes Sprechen ist – kurze Reaktionen wie „Sure“ und „Sounds good“ tauchen aber auch in neutralen Gesprächen auf. Für deutschsprachige Lernende ist diese Stellschraube besonders wertvoll, weil sie das Gegenmittel gegen das Überformalisieren ist. Wer im Chat „I would like to inform you that the report is finished“ schreibt, hat nicht eine falsche Form gewählt, sondern eine falsche Stufe. „Report's done – have a look when you've got a sec“ ist dieselbe Nachricht auf der richtigen Stufe. Ein Hinweis zur Grenze: Auf einem Kundencall, den du zum zweiten Mal führst, sind „Sure“ und „Sounds good“ als Reaktionen völlig in Ordnung. Ganze Bitten in Ellipse – „Figures by Thursday?“ – bleiben dagegen dem Team vorbehalten. In einer Präsentation oder einem Bericht hat die Ellipse keinen Platz.
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Drei Fallen für deutschsprachige Lernende
Die erste Falle ist die Suche nach dem einen Schalter. Weil das Deutsche mit du und Sie eine Ja-Nein-Entscheidung kennt, behandeln viele Lernende auch das Englische so: Beruf heißt Sie, Sie heißt formell, also drehen sie überall alles hoch. Das Ergebnis sind Chat-Nachrichten wie „I would like to inform you“ und Meeting-Beiträge wie „I hereby propose“. Grammatisch ist daran nichts falsch – aber die Stufe passt nicht zur Situation, und Muttersprachler empfinden das als steif oder sogar ironisch. Die zweite Falle ist die deutsche Direktheit. „Schicken Sie mir das bitte heute“ ist im Deutschen mit Sie und bitte eine völlig höfliche Bitte. Die wörtliche Übertragung „Send me that today, please“ bleibt im Englischen ein Befehl mit einem angehängten please – der Imperativ wirkt in jedem Register wie eine Anweisung. Dazu gehört die Konstruktion „I want that you…“, die die deutsche dass-Struktur kopiert: Sie ist ungrammatisch („I want you to…“ wäre richtig) und klingt obendrein fordernd. Die dritte Falle ist die Gleichung „formell = große Wörter“. Wer glaubt, lateinische Verben machten jeden Satz besser, streut sie auch in lockere Gespräche: „Let me investigate that real quick“ mischt Vorstand und Kaffeeküche in einem Atemzug. Gemischte Signale in einer Äußerung irritieren mehr als eine durchgehend lockere oder durchgehend formelle Fassung.
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Im Berufsalltag: Präsentation, Kundencall, Team-Chat
Drei Situationen decken den größten Teil deines Arbeitstags ab, und jede hat ihre eigene Grundeinstellung. Die Präsentation vor dem Vorstand oder der schriftliche Statusbericht stehen am formellen Ende: lateinische Verben („We have arranged a review“, „The delay was caused by…“), Passiv für Probleme, Weichmacher für Bitten. Beim Sprechen bleiben Kurzformen trotzdem normal – formell heißt nicht steif. Der Kundencall liegt in der Mitte, und dort spielt sich der Großteil echter Geschäftskommunikation ab: vollständige Sätze, „Could you…“ für Bitten, Phrasal Verbs ohne Bedenken („I'll get back to you tomorrow“), kurze Reaktionen wie „Sure“ erlaubt. Der Team-Chat und das Gespräch mit vertrauten Kolleginnen und Kollegen stehen am informellen Ende: Ellipse, Füllwörter, „can“ statt „could“, Phrasal Verbs überall. Zwei Gewohnheiten machen die Wahl leicht. Erstens: Stelle die Stufe ein, bevor du anfängst, und halte dann jeden Satz auf derselben Stufe – ein Wechsel mitten in der Äußerung ist das eigentliche Problem, nicht eine „zu lockere“ oder „zu formelle“ Fassung. Zweitens: Spiegle dein Gegenüber. Wenn die Kundin nach zwei Calls „Sounds good, let's set it up“ sagt, darfst du eine Stufe herunter. Bleibt sie bei „Could you arrange…“, bleibst du auch. Wie du dieselben Stellschrauben in vollständigen E-Mails einsetzt, übst du im nächsten Schritt: formal-informal-email-register (B1).