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Warum Unterbrechen im Englischen eine Technik ist
Unterbrechen gehört zu den heikelsten Momenten in jedem englischsprachigen Meeting – und zugleich zu den unvermeidlichen. Wer in einem Projektmeeting, einem Statusgespräch oder einem Video-Call nie unterbricht, kommt schlicht nicht zu Wort. Englische Besprechungen laufen selten so geordnet ab, dass jede Person in Ruhe ausredet und danach höflich die nächste aufgerufen wird. Es wird eingehakt, ergänzt, nachgefragt – und wer darauf wartet, dass eine Pause entsteht, wartet oft bis zum Ende der Stunde. Der Unterschied zwischen einer Unterbrechung, die als kompetent wahrgenommen wird, und einer, die als grob gilt, liegt dabei fast nie am Inhalt. Er liegt an den zwei bis vier Wörtern, die du davorsetzt. „Sorry to interrupt, but could I just come in here?“ und „Wait!“ tun im Grunde dasselbe: Sie nehmen der anderen Person das Wort. Nur die erste Variante lässt dich dabei wie jemanden klingen, mit dem man gern zusammenarbeitet. Genau darum geht es in dieser Lektion. Nicht darum, ob du unterbrichst, sondern womit du es einleitest. Du lernst drei Werkzeugkästen kennen: wie du sanft hineinkommst, wie du dein Rederecht behältst, wenn jemand dich unterbricht, und wie du danach zu deinem eigenen Punkt zurückfindest. Alle drei bestehen aus festen Wendungen, die du auswendig können solltest, weil im echten Meeting keine Zeit zum Konstruieren bleibt.
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Der erste Werkzeugkasten: sanft hineinkommen
Eine höfliche Unterbrechung im Englischen besteht fast immer aus drei kleinen Bauteilen. Die Entschuldigung: „Sorry to interrupt, but …“. Sie dauert eine Sekunde und signalisiert, dass du weißt, was du gerade tust. Das Wörtchen „just“, das mitten in der Frage sitzt: „Can I just come in here?“, „Could I just add one thing?“. Dieses „just“ hat mit „nur“ im Sinne von „ausschließlich“ wenig zu tun – es verkleinert deine Bitte und verspricht, dass du dem Meeting nicht die nächsten zehn Minuten wegnimmst. Und die modale Frage selbst: „Can I …?“, „Could I …?“, „May I add something?“. Formal überlässt du damit der Runde die Entscheidung, auch wenn in Wahrheit natürlich niemand Nein sagt. Diese Höflichkeitsfiktion ist der Kern der englischen Meeting-Kultur. Daneben gibt es zwei Spezialwerkzeuge. „Before we move on …“ verwendest du, wenn ein Thema gerade geschlossen wird und du es noch offenhalten willst – das ist der eleganteste Einstieg überhaupt, weil er sachlich klingt und nicht nach Einwurf. Und „I hear you, but …“ erkennt die Person an, bevor du ihr widersprichst; es ist die gesprochene Variante des Nickens. Kombiniere die Bauteile ruhig: „Sorry to interrupt – can I just add one thing before we move on?“ klingt im Kundengespräch tadellos.
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Der zweite Werkzeugkasten: das Rederecht behalten
Genauso wichtig wie das Hineinkommen ist die Gegenrichtung: Was sagst du, wenn jemand dich unterbricht? Viele deutschsprachige Lernende geben in dieser Situation reflexhaft ab, weil ihnen die Formulierung fehlt, um freundlich weiterzureden. Dabei ist sie kurz. „Let me just finish this point“ ist der Standard – wieder mit „just“, wieder klein gehalten. Danach kannst du direkt anschließen: „…and then I’ll come to your question.“ Damit hast du zwei Dinge auf einmal erledigt: Du hast dein Rederecht verteidigt und der anderen Person eine Antwort versprochen. Genau dieses Versprechen ist das zweite Werkzeug: „I’ll come to that in a second“ oder „I’ll get to that in a moment“ parkt eine Frage, ohne sie abzuwerten. Wichtig ist, dass du das Versprechen später auch einlöst – im Englischen wird es als verbindlich gehört, nicht als Floskel. Ein drittes Werkzeug brauchst du, wenn jemand dir inhaltlich widerspricht, während du noch sprichst: „I hear you, but let me finish this thought.“ Der erste Halbsatz nimmt dem Ganzen die Schärfe, der zweite hält den Faden. Und wenn dein Gegenüber trotzdem nicht loslässt, hilft ein ruhiges „Can I finish?“ – kurz, freundlich im Ton, aber unmissverständlich in der Sache. Der Ton entscheidet hier mehr als die Wörter: Bleib leise und gleichmäßig, dann wirkt keine dieser Wendungen aggressiv.
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Der dritte Werkzeugkasten: zurück zum Punkt – und andere hereinlassen
Nach jeder Unterbrechung entsteht eine kleine Lücke, und wer sie nicht schließt, verliert seinen Punkt. Das Standardwerkzeug dafür ist „As I was saying …“ – wörtlich „wie ich gerade sagte“. Es ist keine Beschwerde, sondern ein reines Signal: Wir sind zurück beim vorigen Thema. Sprich es beiläufig aus, sonst klingt es vorwurfsvoll. Hast du den Faden wirklich verloren, sagst du „Where was I?“ oder ausführlicher „Sorry, where was I? Ah yes, the second site.“ Beides ist im Meeting völlig normal und wirkt eher sympathisch als unsicher. Die dritte Wendung dieses Kastens richtet sich nach außen: Wenn du merkst, dass jemand seit einer Weile etwas sagen will, holst du diese Person aktiv herein. „You wanted to add something?“ oder „Sorry, I cut you off – please go ahead“ sind zwei Sätze, die im englischen Berufsalltag außergewöhnlich gut ankommen, weil sie zeigen, dass du den Raum im Blick hast. Im Video-Call ist das noch wichtiger als im Besprechungsraum: Die Verzögerung der Leitung sorgt dafür, dass zwei Personen ständig gleichzeitig anfangen. Die übliche Reaktion darauf ist „Sorry, go ahead“ – und die Person, die das zuerst sagt, wirkt souverän, nicht schwach. Wer diese drei Kästen beherrscht, kann eine Diskussion nicht nur betreten, sondern auch steuern.
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Typische Fehler deutscher Lernender
Der häufigste Fehler entsteht durch direkte Übertragung. „Moment!“ ist im deutschen Meeting ein völlig harmloser Einwurf; die englische Entsprechung „Wait!“ oder „One moment!“ klingt dagegen wie ein Kommando und wird als unfreundlich gehört. Genauso geht es dem knappen „Darf ich kurz?“: Als blankes „Can I?“ fehlt ihm alles, was die Bitte im Englischen höflich macht – kein „just“, kein „sorry“, kein Objekt. Sag stattdessen „Can I just come in here?“ oder „Could I just say one thing?“. Der zweite typische Fehler betrifft „Excuse me“. Viele Lernende setzen es vor jede Unterbrechung, weil es in der Schule als Übersetzung von „Entschuldigung“ gelernt wurde. Es ist nicht falsch, aber es ist auffällig formell und wirkt in einem laufenden Projektmeeting eher so, als würdest du jemanden auf der Straße ansprechen. „Sorry to interrupt“ ist die kollegiale Variante. Der dritte Fehler ist inhaltlich: „Das stimmt nicht“ wird zu „No, that’s wrong“ – grammatisch tadellos, im Ton aber ein Angriff. Setze einen Softener davor: „I hear you, but I have a different number here.“ Und schließlich der Klassiker unter den falschen Freunden: „actually“ heißt nicht „aktuell“ und deckt sich nur teilweise mit „eigentlich“. Es bedeutet „in Wirklichkeit“ und dient im Meeting als höfliche Korrektur: „Actually, the deadline moved to Friday.“ Wer „aktuell“ meint, sagt „currently“ oder „at the moment“.
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Im Video-Call und im Kundengespräch
Der Kanal verändert die Regeln. Im Video-Call fehlen die kleinen körperlichen Signale, mit denen man sich sonst ankündigt – das leichte Vorbeugen, das Heben der Hand, der Blickwechsel. Deshalb brauchst du dort mehr Sprache, nicht weniger. Ein knappes „Sorry, can I just jump in?“ ersetzt die Geste, und viele Teams nutzen zusätzlich die Handheben-Funktion des Tools. Rechne außerdem mit der Verzögerung: Wenn ihr gleichzeitig anfangt, sagt einer von euch „Sorry, go ahead“ – tu es ruhig zuerst, das kostet nichts und wirkt souverän. Im Kundengespräch verschiebt sich die Höflichkeitsstufe nach oben. Gegenüber Kundinnen und Kunden greifst du eher zu „May I add something here?“ oder „If I could just come in on that point …“ als zum lockeren „Can I jump in?“, das unter Kolleginnen und Kollegen völlig in Ordnung ist. Im Statusmeeting im eigenen Team darf es dagegen kürzer sein: „Quick one – can I just check something?“ genügt. Übe die Formulierungen laut, und zwar so lange, bis sie dir ohne Nachdenken zur Verfügung stehen. Genau in dem Moment, in dem jemand eine falsche Zahl nennt, hast du keine Sekunde Zeit, den passenden Satz zu bauen. Beginne mit drei Wendungen: „Sorry to interrupt, but …“, „Let me just finish this point“ und „As I was saying …“. Diese drei tragen dich durch fast jede Besprechung.